Warum Frauen beim Vermögensaufbau noch aufholen.
Vor der New Yorker Börse stand im Jahr 2017 eine kleine Bronzefigur, die weltweit zum Symbol geworden ist: das „Fearless Girl“. Ursprünglich direkt gegenüber dem berühmten „Charging Bull“ platziert, richtete sie ihren Blick selbstbewusst auf das Sinnbild der Finanzwelt. Heute steht die Skulptur an einem anderen Ort im New Yorker Finanzdistrikt – ihre Wirkung für Mut, Haltung und finanzielle Eigenständigkeit hat sie jedoch bis heute nicht verloren.
Dieses Bild passt zu einer Entwicklung, die auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt: Frauen beschäftigen sich stärker mit Geldanlage, Vermögensaufbau und finanzieller Zukunftsplanung. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen, dass weiterhin eine deutliche Lücke zwischen den Geschlechtern besteht. So investieren laut einer von der zur Sparkassenfinanzgruppe gehörenden Deka beauftragten Umfrage unter Sparkassenkundinnen und -kunden nur rund 44 Prozent der Frauen in Aktien oder Wertpapiere, während der Anteil bei Männern bei 61 Prozent* liegt. Eine Depotanalyse der Consorsbank aus 2026 zeigt zudem einen deutlichen Unterschied beim investierten Vermögen: Frauen verfügen im Schnitt über rund 35 Prozent weniger Kapitalanlagen als Männer. Diese Differenz wird in der Forschung als sogenannter „Gender Investment Gap“ beschrieben – ein Unterschied, der sich langfristig auch auf Vermögensaufbau und Altersvorsorge auswirkt.
„Finanzielle Entscheidungen sind ein wesentlicher Bestandteil von Selbstbestimmung. Wer wirtschaftliche Zusammenhänge versteht, kann Chancen besser nutzen und Risiken bewusster einschätzen“, sagt Stefanie Eberhardt, Vorstandsmitglied der Sparkasse Vest Recklinghausen. Vor diesem Hintergrund hat die Sparkasse mit einer Auftaktveranstaltung den Impuls für ein neues Format gesetzt: femInVest. Ziel ist es, Frauen einen Rahmen für Austausch, Vernetzung und Diskussion rund um wirtschaftliche und finanzielle Themen zu bieten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die klassische Produktberatung, sondern der Dialog über wirtschaftliche Entwicklungen, persönliche Erfahrungen und unterschiedliche Perspektiven auf Geld und Vermögen.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt des Abends setzte die Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann von der Deka. Sie machte deutlich, dass wirtschaftliche Unsicherheiten und volatile Märkte kein Grund sein müssen, Anlageentscheidungen aufzuschieben. Entscheidend sei vielmehr, langfristig zu denken und finanzielle Entscheidungen nicht von kurzfristigen Marktbewegungen abhängig zu machen.
Zudem hob sie hervor, dass Inflation und Zinsentwicklung unterschiedliche Auswirkungen auf Sparerinnen und Anlegerinnen haben können – und dass es gerade deshalb wichtig sei, Geld nicht ausschließlich „liegen zu lassen“, sondern strukturiert und bewusst anzulegen.
Ein weiterer Impuls betraf das Verhalten bei Anlageentscheidungen: Studien zeigten, dass Frauen häufig sorgfältiger und risikoabwägender entscheiden, jedoch seltener den ersten Schritt in Richtung Kapitalmarkt gehen. Genau hier liege Potenzial, finanzielle Chancen besser zu nutzen, ohne dabei die eigene Risikoeinschätzung aufzugeben. Widmann ist unter anderem auch Host des Podcasts „Money on Her Mind“ und bundesweit als Referentin zum Thema Female Finance aktiv.
Mit femInVest schafft die Sparkasse Vest ein Netzwerk, in dem Frauen miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen teilen und neue Impulse für ihre finanzielle Zukunft erhalten. Weitere Formate sind perspektivisch in Planung.
Königswall 33
45657 Recklinghausen